Physiotherapie

Der Eingang zum Youth Center

Behinderungen sind in Uganda nach wie vor ein Tabu-Thema, weshalb die Kinder meist Zuhause versteckt werden und nur selten das Sonnenlicht sehen, geschweige denn Hilfe bekommen. Behinderungen sind gesellschaftlich immer noch als Fluch über die Familie geächtet und die ärztliche und therapeutischen Maßnahmen sind demnach nicht fortgeschritten. Viele körperliche Fehlstellungen, wie verkürzte Beine, Klumpfüße oder fehlende Knochen, die in Deutschland durch eine Operation innerhalb der ersten Jahre des Kindes behoben werden können, sind hier schon alleine aufgrund der fehlenden Krankenversicherungen meist unerschwinglich. Neben der Kosten können größere Operationen auch nur in den großen Krankenhäusern der großen Städte zuverlässig durchgeführt werden, wofür man die Kinder dort erst hin transportieren müsste, was wiederum teuer ist, etc. … Anlaufstellen für Familien mit Betroffenen sind also praktisch nicht vorhanden und so wachsen viele Kinder unter Bedingungen auf, die durch Therapien und Operationen eigentlich gar nicht mehr bestehen müssen.

Aus diesem Grund haben wir beschlossen, für möglichst viele Kinder aus Rwamwanja, die besondere Bedürfnisse haben und unter der, auch für ugandische Verhältnisse enorm schlechten Gesundheitsversorgung im Lager leiden, eine kostenlose Physiotherapie anzubieten. Das war allerdings nur mit der Unterstützung unserer befreundeten Therapeuten Luisa und Emma, welche beide im Projekt Mukisa in Kampala arbeiten, möglich.

[…] Ziel ist es, den Eltern, besonders den Müttern, ein neues Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl zu geben, ihnen nahe zu bringen, dass SIE selbst die besten Therapeuten für ihr Kind sind. Aufklärung und Erklärungen geben über die Behinderung des Kindes, ihnen Schuldgefühle nehmen und den Eltern verständlich machen, dass sie durch frühzeitige und regelmäßige Förderung ihren Kindern helfen und Folgeschäden vermeiden können sind die Ziele der Mukisa Foundation.

Ca. 80% der Familien, die Mukisa besuchen, leben an bzw. unter der Armutsgrenze und können sich nicht einmal den Transport bis zur Einrichtung leisten, weshalb Mukisa ihnen diese Kosten finanziert. Zusätzlich versorgt Mukisa die Familien auch mit einem Frühstück und einem Mittagessen in der Einrichtung. Die gesamte Einrichtung ist durch Spendengelder finanziert und deshalb auf regelmäßige Unterstützung angewiesen. Daher möchten wir an dieser Stelle auch auf die Kontodaten der Foundation verweisen:

EBU (Entwicklungshilfe für Bedürftige in Uganda)

IBAN DE70 4005 0150 0034 0342 56

BIC WELADED1MST

Stichwort: Mukisa Foundation

Am 14.05. und 15.05.2016 durften wir daher kostenlos die Räumlichkeiten des Youth Center Rwamwanja nutzen,  die Therapiematten ausbreiten und mit dem Programm beginnen. Luisa und Emma haben also zwei Tage lang vorwiegend Kleinkindern und ihren Eltern die Grundlagen der Physiotherapie beigebracht und das begleitende Elternteil dazu ermutigt, die Therapie weiterzuführen um längerfristige Ergebnisse zu erzielen.

Das Youth Center
Das Youth Center in Rwamwanja

Der Andrang war groß und leider mussten auch einige Erwachsene, unter anderem mit Amputationen, angeborenen Knochenfehlern und ähnlichem wieder weggeschickt werden, weil unserer Physiotherapeuten auf Kinder spezialisiert sind.  Daher haben wir hier den Schwerpunkt gelegt, u.a. auch, weil man bei diesen weniger verfestigten Fehlstellungen mit einer gezielten Physiotherapie mehr erreichen kann.

Auch gab es oft Missverständnisse mit den Eltern der Kinder, die zum einen glaubten, dass Emma und Luisa Doktoren aus Kampala und zum anderen durch das fehlende Wissen über Physiotherapie eine Wunderheilung ihrer Kinder erwarteten. Aus diesen Gründen musste zuerst einmal auch klargestellt werden, dass die beiden weder Doktoren noch Wunderheiler sind und der Weg mit der Physiotherapie ein langwieriger und anstrengender ist, der aber ausschließlich dem Wohl des Kindes dient.

Physiotherapie ist oft auch anstrengend
Physiotherapie ist oft auch anstrengend

Durch die überraschend positive Reaktion der Physiotherapie und den großen Andrang am Samstag war es nicht möglich, alle Kinder am Samstag schon zu behandeln und so hatten Emma und Luisa auch am Sonntag noch alle Hände voll mit den verbleibenden Kindern und ihren Familien zu tun.

Da sich das Flüchtlingslager Rwamwanja über insgesamt 42 Quadratkilometer erstreckt und nur die wenigsten über Rollstühle oder Gehhilfen verfügen, um zum zentral gelegenen Youth Center zu kommen, erstatteten wir auch die Fahrtkosten für die Kinder und eine Begleitperson ebenso wie eine kleine Zwischenmahlzeit für alle, die etliche Stunden gewartet haben.

Insgesamt konnten dank aller Helfer an diesem Wochenende über 40 Kinder aus Rwamwanja Zugang zu einer individuellen Therapiestunde bekommen, worauf wir sehr stolz sind.