Zuzi Chantal

Zuzi Chantal
Zuzi Chantal

Ich heiße Zuzi Chantal (Zu meinen Fotos), bin 15 Jahre alt und komme ursprünglich aus dem Dorf Mutarule bei Bukavu. Ich bin mit Albinismus auf die Welt gekommen und wurde deswegen schon seit meiner Kindheit im Kongo diskriminiert. Menschen mit Albinismus werden in ganz Ostafrika verfolgt, weil unsere Gliedmaßen für viel Geld als Talismane verkauft werden können. Weil ich anders aussah als Mitschüler*innen wurde ich angegriffen, aber Freunde und meine Familie haben mich immer beschützt. Meine Familie, die aus meiner Mutter, meinem Vater und zehn Geschwister bestand, war relativ wohlhabend. Unsere Region South Kivu war schon lange unsicher, weil wir gegen die Regierung kämpften. Aus meinem Stamm, den Bafuliire, entstand vor einigen Jahren eine Rebellengruppe der Maimai. Diese stahl dem benachbarten Stamm Banyamulenge viele Kühe. Eines Nachts rächten sich die Banyamulenge und kamen nach Mutarule und töteten viele Menschen, dazu gehörten meine Eltern und einer meiner Brüder. Zusammen mit dem Pastor unserer protestantischen Kirche flohen wir nach Bukavu, einer größeren Stadt der Umgebung. Auf die Flucht konnten wir nichts mitnehmen, aber in Bukavu konnten wir uns mit dem Geld, das uns der Pastor überlassen hat, ein wenig Kleidung und Geschirr kaufen. In Bukavu ging es uns nicht gut, weil wir häufig attackiert wurden. Einmal musste ich abends auf Toilette. Auf dem Rückweg in unsere Wohnung wurde ich von Banditen angegriffen und auf dem Boda mitgenommen. Ich wusste nicht wohin es geht und konnte die Sprache Ligala, die sie sprachen nicht gut, da ich nur Französisch und Kisuaheli spreche.  Die beiden Banditen haben sich darüber gestritten, ob sie mich jetzt umbringen wollen und meine Beine nach Ruanda schicken oder ob sie mich über die Grenze schmuggeln wollen. Ich versuchte sie davon zu überzeugen, dass es besser wäre mich über die Grenze zu schmuggeln, was mir gelang. Sie brachten mich in ein Haus und ließen mich dort, um selber Dokumente für meinen Grenzübergang zu besorgen. Außer mir war nur ein Koch dort, der keinen Schlüssel hatte. Also versuchte ich über die Mauer zu klettern, was ich leider nicht schaffte. Nachbarn hörten mich jedoch schreien und riefen die Polizei, die mich befreite. Dadurch konnte ich wieder zurück nach Bukavu zu meiner Familie, auch wenn die Banditen leider flohen und nie geschnappt werden konnten. Doch auch nach dem Überfall wurde es in Bukavu nie ruhig. Ein sechsjähriger Freund von mir, der auch ein Albino war, wurde getötet. Einmal versuchte ein Mann mich zum Sex zu zwingen, weil er dachte, dass er davon Superkräfte bekommt und reich und erfolgreich werden würde. Das konnte ich nicht mehr aushalten und so folgten wir dem Rat unseres Pastors und flohen über Goma nach Uganda. Hier lebe ich in einem Schutzzentrum für Menschen mit Albinismus. Hier sind wir sicher, doch die Freiheit mussten wir im Kongo zurücklassen. Auch in Uganda traue ich mich nicht alleine auf die Straße. Doch ich bin glücklich damit, wie Gott mich gebaut hat und würde später gerne beim UNHCR arbeiten, um weltweit Menschen mit Albinismus zu verteidigen. Zur Schule kann ich hier leider nicht gehen, weil es keine weiterführende Schule gibt. Meine Zeit nutze ich, um Singen zu üben.

*Die Interviews wurden persönlich mit den Kindern geführt und auf die Korrektheit der Angaben geachtet, jedoch können wir diese nicht garantieren. Durch das zweimalige Übersetzen können inhaltliche Fehler entstanden oder Details verloren gegangen sein.