Nsengiyunnva Innocent

Nsengiyunnva Innocent
Nsengiyunnva Innocent

Ich heiße Nsengiyunna Innocent (Zu meinen Fotos) und bin 18 Jahre alt. Ich komme aus dem Dorf Nsanzale der Region Rutshuru in North Kivu. Meine Familie ist in der Demokratischen Republik Kongo etwas Besonderes. Mein Vater, ein Pastor der protestantischen Kirche, gehörte zur Gruppe der Tutsi, meine Mutter zu den verfeindeten Hutus. Die Konflikte zwischen den beiden Stämmen spitzen sich bis zum Völkermord 1994 im Ruanda zusammen. Danach gingen die Kämpfe zwischen Hutu und Tutsi im Kongo weiter, wo auch ich lebte. Die Hochzeit meiner beiden Eltern, provozierte nicht nur unsere Nachbarschaft, sondern auch ihre eigenen Familien, die sich von dem Paar abwendeten. Ich selber bin wahrscheinlich eher Hutu, weil ich sehr klein bin. Diese Einteilungen mag ich aber eigentlich gar nicht. Ich habe zwei Schwestern und vier Brüder und besuchte in Rutshuru Kurse über Sozialwissenschaften. 2012 wurde mein Vater von Huturebellen getötet und seitdem lebten wir sehr unsicher. In Rutshuru hat jeder eine Waffe und benutzt sie auch. Unser eigener Onkel überfiel uns eines Tages und wollte meine Geschwister und mich als Nachkommen einer Hutu-Tutsi Ehe töten. Er missbrauchte mich mehrmals sexuell und schoss mich an. Ich überlebte den Schuss in die Brust, aber ich habe immer noch große Probleme mit meinem Herz und beim Atmen. Danach flüchteten meine Geschwister und ich nach Uganda. Auf die Flucht nahm ich nur mein Diplom mit, weil ich hoffte, mich hier weiterbilden zu können. Doch eine weiterführende Bildung gibt es für mich hier nicht. Deswegen habe ich beschlossen, dass ich alles, was ich bis jetzt gelernt habe, an andere weiterzugeben. Ich leite deswegen eine Jugendgruppe mit 40 Mitgliedern. Die Jugend in Rwamwanja ist häufig arbeitslos und ungebildet. Wir versuchen ihnen Perspektiven zu geben, in dem wir Hühnerpatenschaften vergeben, eine Imkerei eröffnet haben und sie beraten, wenn sie sich eigene Arbeitsmöglichkeiten suchen. Manchmal gehe ich in Dörfer und kläre über häusliche Gewalt auf. Später möchte ich Entwicklungshilfe in Kampala studieren. Dort war ich einmal auf einer Fortbildung und es hat mir sehr gut gefallen. Krieg, Gewalt und Stammeseinordnungen mag ich gar nicht. Lange habe ich meine Mutter, die im Kongo blieb, vermisst, doch sie folgte uns vor zwei Jahren nach Rwamwanja. Noch fühle ich mich hier sicher, doch es macht mir Sorge, dass auch die Familie meines Onkels, der mich angegriffen hat, problemlos nach Uganda flüchten konnte. Rebellen sollten besser in andere Lager oder Länder umverteilt werden, damit es in Rwamwanja sicher bleibt.

*Die Interviews wurden persönlich mit den Kindern geführt und auf die Korrektheit der Angaben geachtet, jedoch können wir diese nicht garantieren. Durch das zweimalige Übersetzen können inhaltliche Fehler entstanden oder Details verloren gegangen sein.