Diyeme Ndubashe

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Diyeme Ndubashe

Mein Name ist Diyeme (Zu meinen Fotos) und ich bin 10 Jahre alt. Alle anderen nennen mich meistens Mr. President, weil ich mich am ersten Tag des Fotoprojekts versprochen habe. Alle Kinder wurden damals mit Namen aufgerufen und meldeten sich mit „present“ (frz. Für anwesend), ich hingegen rief „President!“. Später möchte ich auch wirklich Minister werden und die Demokratische Republik Kongo sicher machen. Ich habe den Kongo  im Oktober 2015 verlassen. Gewohnt habe ich damals im Dorf Mungo zusammen mit meiner Mutter und meinem Vater. Geschwister habe ich keine.  In meinem Dorf wurden viele Konflikte des Krieges ausgetragen, doch geflüchtet sind wir erst nachdem unser Vater sich an einem Strick gehängt hat, weil andere Leute aus unserem Dorf ihm vorgeworfen haben, Zauberkraft zu benutzen. In der Demokratischen Republik Kongo ist die Mehrheit christlich, viele glauben jedoch gleichzeitig an Naturreligionen und Mythen, die über Generationen hinweg überliefert werden. Die Menschen fürchten sich vor Flüchen und Zaubern, deswegen werden Menschen, denen Zauberkräfte vorgeworfen werden, häufig diskriminiert. Ohne meinen Vater hatten meine Mama und ich keinen Schutz mehr, deswegen versuchten wir mit öffentlichen Bussen und kleinen Autos nach Uganda zu kommen. Bei einem Stau gab es viel Chaos, alle sind aus den Autos ausgestiegen. Meine Mama habe ich dabei verloren, deswegen bin ich mit anderen Menschen mitgegangen  und bin so alleine nach Uganda gekommen. Hier wohne ich zusammen mit 20 anderen Jungs, die alle ohne Familie in Uganda angekommen sind in einer Wohngemeinschaft zusammen. Einer meiner Mitbewohner wollte frühs nicht aus dem Bett und hat deswegen immer den Schulbeginn verschlafen. Deswegen haben wir ihm die Beine zusammengebunden und aus dem Bett geschmissen. Das Leben in Rwamwanja finde ich gut, besonders mag ich meine Freunde und meine Schule. No Tuambasi ist mein bester Freund, weil der am besten kochen kann. Kochen, Waschen und Aufräumen machen wir alleine. Wenn ich nichts zu tun habe und das passiert selten, weil mein Leben sehr stressig ist erkunde ich gerne das Lager. Nur wenn ich alleine bin denke ich an meine Mama, weil ich sie sehr vermisse. Wo sie ist, weiß ich nicht, aber ich hoffe, dass sie nicht im Kongo ist. Den Krieg dort hasse ich, deswegen möchte ich auch, dass er aufhört. In meiner Zukunft würde ich gerne in einem mzungu- Land (Kisuaheli für weißer, reicher Mann. Gemeint sind Länder des globalen Nordens, also Europa und die USA) leben, weil mzungus einem sehr gut Sachen beibringen können und einen nicht schlagen.

*Die Interviews wurden persönlich mit den Kindern geführt und auf die Korrektheit der Angaben geachtet, jedoch können wir diese nicht garantieren. Durch das zweimalige Übersetzen können inhaltliche Fehler entstanden oder Details verloren gegangen sein.