Aberglaube

Bonde wollte nach seiner Arbeit in einem Internetcafé in Masisi nach Hause gehen als er von Unbekannten angegriffen wurde. Ihm wurde viel Geld für im Tausch für eins seiner Beine, einen Arm oder einzelne Finger angeboten. Er konnte seinen Angreifern entkommen, viele andere Menschen mit Albinismus nicht.


Eine genetische Störung sorgt dafür, dass die Körper dieser Menschen den Pigmentstoff Melanin bestenfalls in geringen Mengen produzieren können. Menschen mit Albinismus haben hellere Haar-, Augen- und Hautfarbe und reagieren überempfindlich auf Sonneneinstrahlung. Allein durch diese Voraussetzungen haben es Albinos in der Subsahararegion nicht leicht. Die äquatoriale Sonne ist so intensiv, dass die Gefahr an Hautkrebs zu erkranken oder zu erblinden außergewöhnlich hoch ist. Doch gerade in Ost- und Zentralafrikanischen Ländern ist der Anteil an Menschen mit Albinismus besonders hoch. Mit einer mehr als doppelt so hohen Wahrscheinlichkeit im Vergleich zu Europa von 1:15.000 wird in Subsahara ein Kind mit Albinismus geboren. Neben den gesundheitlichen Einschränkungen erfahren diese Kinder von klein auf viel Diskriminierung. Das ungewöhnliche Aussehen von Felix verängstigte schon früh Mitschüler, die mit dem Finger auf ihn zeigten und über ihn redeten. In ost- und zentralafrikanischen Ländern wie Tansania, Burundi, Uganda oder die demokratische Republik Kongo bildete sich gegenüber Menschen mit Albinismus ein starker Aberglaube aus.  Je nach Region bringen Albinos Glück oder Unglück, Friede oder Unruhen. Albinos gelten als Aussätzige, als verwunschen und sonderbar. Der Aberglaube verfestigte sich in den letzten Jahrzehnten im Verlauf oder möglicherweise auch als Reaktion auf den Modernisierungsprozess. Nicht repräsentativen Studien der Menschenrechtsorganisation Under the same sun  zufolge glauben 93% der Subsahara-Bevölkerung an Hexerei und Zauberkraft. Diese Form der Religion äußert sich unter anderem in alternativer Heilmedizin, dem Anbeten von Naturwundern, aber leider auch in der Verfolgung von Menschen mit Albinismus. Weiße Haare der Albinos werden in Fischernetze geknüpft und sollen die Fangchancen vergrößern, Albinos-Blut wird zu Liebestränken verarbeitet und wertvolle Amulette und Schuhe aus Albino Haut und Knochen hergestellt. Der Handel mit dem Körper von Menschen mit Albinismus ist ein lukrativer: für ein paar Finger bekommt man 1000€, für einen ganzen Körper bis zu 75.000€. Under the same sun veröffentlichte eine Studie laut der zwischen 1998 und 2015 140 Albinos getötet und 219 verstümmelt wurden. Die Dunkelziffer bewegt sich im vierfachen Bereich. Die Rebellengruppen des Kongos haben die Verfolgung der Albinos als gewinnbringendes Einkommen für sich entdeckt, weswegen sich die Situation im Kongo für Menschen mit Albinismus immer weiter zuspitzt. Die Kinder und Jugendlichen mit Albinismus aus unserer Fotogruppe erzählen allesamt Lebensgeschichten von leichten bis schweren Vergewaltigung aufgrund ihrer Hautfarbe. Felix fürchtet sein eigenes Dorf. Chantal wurde tatsächlich entführt und entging einem Grenzschmuggel nach Tansania und einer angedrohten Vergewaltigung nur knapp. Eric, Francinz, Mack und Wani fürchten um Verstümmelungen und Entführungen ihrer Geschwister und Angehörigen. Da sich die Situation für Menschen mit Albinismus in Subsahara momentan eher verschärft als entspannt werden Leute wie Richard, der Leiter einer großen humanitären Hilfsorganisation werden möchte, um Albinos zu unterstützen dringend gebraucht.

Menschen mit Albinismus, die bereits an erheblichen gesundheitlichen Problemen leiden, werden in zahlreichen ost- und zentralafrikanischen Ländern verfolgt
Menschen mit Albinismus, die bereits an erheblichen gesundheitlichen Problemen leiden, werden in zahlreichen ost- und zentralafrikanischen Ländern verfolgt